Wann
ist der Fuchs im Bau?
Dass Füchse Baue benutzen, weiß jeder. Doch der Baujäger möchte auch wissen, wie und wozu. Nicht überall können Füchse einen Bau graben. Dies ist immer vom Boden abhängig. So stehen Baue nicht in jedem Revier zur Verfügung. Brauchen Füchse einen Bau?
Der Zoologe DANUS
WEBER ist diesen Fragen nachgegangen und kam zu folgendem Ergebnis:
Untersucht wurde die
Baubenutzung von Füchsen im Saarland. Es wurde die Benutzung von 107 Bauen während
eines Jahres regelmäßig kontrolliert. Weitere Informationen wurden durch die
Beobachtung von 36 freilebenden Füchsen mit Hilfe der Radiotelemetrik gewonnen.
Nur Welpen und Fähen
während der frühen Aufzuchtszeit verbrachten ihre Ruhezeit mehrheitlich in
Bauen. Im Winter ruhten die Füchse bei nasskaltem Wetter gelegentlich in einem
Bau, doch schliefen sie auch bei solchen Bedingungen meist an oberirdischen Plätzen.
Baue wurden meistens nur
oberirdisch aufgesucht und nicht betreten. Im Sommer wurden die Baue praktisch
nie benutzt.
Bei starkem Regen,
Sturm, kalter Witterung und während der
Ranz, oder auch im Sommer während der größten Hitze, oder solange die Welpen
noch klein sind, ist der Rotfuchs regelmäßig im Bau. Bei gutem Wetter ruht der
Fuchs dort, wo er gerade einen passenden Platz findet.
Kontrolle der
Bauten:
Die Fuchsbaue wurden
zur Kontrolle an der Röhre mit einem Stock versehen.Benutzte Baue wurden daran
erkannt, das die Stöcker umgefallen waren. Neben Füchsen benutzten allerdings
auch Dachse, Kaninchen und Marder die Baue. Es wurden befahrene Bauten immer
nach Spuren (Trittsiegel, Haare, Losungen, Fraßreste sowie auf ihren Geruch hin
überprüft).
Baubenutzung im
Jahresverlauf:
Oft markieren die Füchse Röhreneingänge oder das Baugebiet mit Harn.Dadurch entsteht der charakteristische Fuchsgeruch eines benutzten Baues. Nicht jeder markierte Bau wurde betreten, und viele benutzte Baue wurden nicht markiert.Häufig suchten Füchse Baue auf, ohne sie zu betreten, so als wollten sie nur inspizieren und gaben Harnmarkierungen ab. Dieses Verhalten kann nur bei Schnee mit Sicherheit nachgewiesen werden. Besonders viele Baue wurden am Winteranfang inspiziert. Fuchsfährten führten an bis zu 10 Bauten, ohne dass ein einziger betreten wurde.
Füchse mit
Halsbandsendern:
Um Informationen über
die Aktivitäten von Füchsen und ihre Aufenthaltsorte zu erhalten, wurden
36 Füchse gefangen und mit Halsbandsendern markiert. Mit dieser Methode
konnte nicht nur das Tier genau geortet, sondern auch feststellt werden, ob es
sich bewegte oder in Ruhe befand. In Dauerbeobachtungen während zwölf oder
mehr Stunden konnte so der Aktivitätsrhythmus der Tiere festgestellt werden.
Baue als Ruheplätze
im Jahresverlauf:
Von 5 Altfüchsen, die
über längere Zeit beobachtet wurden, konnte insgesamt 389mal den genauen Ort
festgestellt werden, an dem sie ruhten. In manchen Fällen konnte nicht
entschieden werden, ob sich ein Fuchs in unmittelbarer Nähe des Baues oder
unter der Erde aufhielt, da die beobachteten Tiere nicht gestört werden
sollten. Die im Frühwinter und zur Ranzzeit häufig an Bauen beobachtete
Liegeplätze lassen aber vermuten, dass viele der fraglichen Ruhephasen
oberirdisch verbracht wurden. Nur zwischen Ranz und Entwöhnung der Welpen
ruhten die Fähen mehrheitlich im Bau, während die Rüden bereits im März
hauptsächlich oberirdische Verstecke aufsuchten. Von Juni bis September wurde
kein Altfuchs mehr in einem Bau angetroffen.
Nach Beobachtungen verbringen Füchse im Winter nur kurze Ruhephasen im Bau. Für längere Ruhezeiten werden andere Plätze aufgesucht.
Während der
Aufzuchtzeit ruhten die Fähen unabhängig vom Wetter hauptsächlich im Bau. Die
Daten aus dem Winter lassen jedoch einen Zusammenhang zwischen
der herrschenden Witterung und der Wahl des Ruheplatzes erkennen. Baue wurden
hauptsächlich bei nasskaltem Wetter benutzt.
Dagegen wählten die Füchse
bei Schneefall mehrheitlich oberirdische
Verstecke. Die Jägerregel,
die besagt, dass ein Fuchs mit nassem Balg nicht in einen Bau gehe, wurde geprüft
und verworfen.Bei mindestens 7 von 14 festgestellten
Ruhephasen, die Füchse bei
schlechtem Wetter im
Bau verbrachten, muss der
betreffende Fuchs vorher nass gewesen sein.
Benutzung
verschiedener Baue:
Alle markierten Füchse
hatten einen bevorzugten Bau. Bei den Fähen handelte es sich dabei um den
Mutterbau.
Der Bau als
Zufluchtsort:
Um die Bedeutung des
Baues als Zufluchtsort nach einer Störung zu ermitteln, wurden mit den
markierten Füchsen Experimente durchgeführt. Dabei stellte man den
Aufenthaltsort des ruhenden Tieres fest und näherte mich anschließend, normal
marschierend, von derjenigen Seite dem Fuchs, die dem nächstgelegenen Bau
entgegengesetzt war. Nachdem der Fuchs geflüchtet und neuerdings in Ruhe war,
wurde wiederum der Aufenthaltsort festgestellt. Außerdem wurden weitere Umstände
abgeklärt, wie:
Fluchtdistanz, Dauer
und Länge der Flucht, Wetter und Zeit.
Bei Altfüchsen wurden 55, bei Jungfüchsen 43 Fluchten absichtlich ausgelöst, nachdem ihr Ruheplatz festgestellt worden war. Nur zweimal floh ein Altfuchs in einen Bau und vier mal ein Jungfuchs.Mehrheitlich wurden oberirdische Verstecke aufgesucht.
Im Winter wurde einmal
zufällig ein direkt am Bau schlafender Fuchs geweckt, der darauf vom Bau weg
floh.Die nächste Röhre hatte
sich in einer Entfernung von etwa 1 Meter befunden. Es wurde der Fährte dieses
Fuchses gefolgt und er wurde vor
dem Eingang eines anderen Baues liegend, in 70 Meter Entfernung gefunden. Wieder
aufgeschreckt, floh er wieder nicht
in den Bau, sondern in eine nahegelegene Dickung.
Bedeutung des Baues
für die Welpen:
Bei fast allen Vertretern der Hundeartigen und den meisten anderen Raubtierarten verbringen die Jungtiere ihre ersten Lebenswochen in einem Bau. Die im Vergleich zu anderen Säugetieren relativ unentwickelt geborenen Jungtiere scheinen dieses Schutzes aus verschiedenen Gründen zu bedürfen.Fuchswelpen werden im Vorfrühling geboren und können erst in einem Alter von ungefähr 3 Wochen ihre Körpertemperatur selbst ausreichend regulieren. Solange sie von der Mutter gewärmt werden, könnten sie vermutlich auch außerhalb des Baues überleben. Eine Schlechtwetterperiode würde aber den sicheren Erfrierungstod bedeuten, wenn sie mit nassem Fell nur kurz alleine gelassen würden. Die Enge des Baues bietet zudem Gewähr, dass die Welpen trotz der noch wenig entwickelten Sinne den wärmenden Knäuel der Geschwister finden. Sind sie etwas älter, verhindert der Bau das Verlorengehen, wenn die Fähe abwesend ist.
Einen gewichtigen
Nachteil bietet Baubenutzung zweifellos im Zusammenhang mit den Bestrebungen zur
Reduktion der Fuchsbestände durch Baujagd und Baubegasung. Ob nun
Tollwutprophylaxe oder Niederwildhege das Motiv seien, am wirkungsvollsten
lassen sich Füchse in ihrer Jugend am Bau töten. Mit fortschreitendem Alter
der Welpen nimmt dieses Risiko zu, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der
Mutter-Bau entdeckt wird gefährlich wird es von dem Zeitpunkt an, an dem ein Spielplatz vor
dem Bau das Geheck verrät.Zu einem bestimmten Zeitpunkt beginnen die Nachteile
der Baubenutzung zu überwiegen, und genau in diesem Moment verlassen
Jungfüchse dem Bau.
Bedeutung des Baues
für Altfüchse:
Setzt man alle Befunde
über die Fuchsbaubenutzung zueinander in Beziehung, entsteht folgendes Bild:
Ein Bau als Ruheplatz bietet dem Fuchs Schutz vor Witterung, vor Feinden und Störungen.
Nasskaltem Wetter weicht das Tier in den Bau aus und schützt sich so vor Auskühlung.
Kälteschutz braucht ein erwachsener Fuchs bei trockenem Wetter kaum, da sein
Pelz hervorragend isoliert. Bei Nässe geht die Isolationswirkung jedoch
weitgehend verloren.
Schutz vor Feinden,
seien es nun Jäger auf der Treibjagd oder größere Raubtiere, findet der Fuchs
ebenfalls im Bau, es sei denn, oberirdisch stünden ihm ebenfalls geeignete
Deckungsmöglichkeiten zur Verfügung. In diesem Fall sucht er eher diese auf.
Schutz vor Störungen muss gerade, in einem Gebiet, das der Naherholung dient
gewährleistet sein. Hier ist die
Ausstattung des Lebensraumes entscheidend. Gibt es nur wenige oberirdische
Versteckmöglichkeiten, schlüpft der Fuchs in einen Bau.
Die Faktoren, die das
Ausmaß der Schutzvorteile steuern, verändern sich im Jahres-Verlauf:
Nasskaltes Wetter ist im Winter am häufigsten. Wegen der unterschiedlichen
Vegetationsdeckung stehen im Sommer wesentlich mehr gute oberirdische Verstecke
zur Verfügung als im Winter, wobei besonders Getreidefelder hervorragend vor Störung
durch den Menschen schützen. Diese Veränderungen bewirken, dass der
Schutzvorteil eines Baues im Sommer sehr gering werden kann.
Wenn Baue selten oder
örtlich konzentriert, andere Verstecke aber reichlich vorhanden sind, bedeutet
Baubenutzung Belastung durch längere Wege. Dabei entstehen Nachteile, weniger
durch den zusätzlichen Energiebedarf für das Laufen, als vielmehr durch den größeren
Zeitaufwand. Sind Fähen durch Welpen an ihren Bau gebunden, suchen sie weit
entfernte Teile des Streifgebietes nicht mehr auf. Regelmäßige Benutzung eines
bestimmten Baues schränkt einen Fuchs wesentlich in seiner Bewegungsfreiheit
ein.
Was spricht
nun gegen eine dauernde Baubenutzung, bzw. welche Bedingungen müssten
dafür erfüllt sein?
Hier spielt die Qualität
des Lebensraumes und die Verteilung von Nahrungsquellen eine große Rolle. Ist
das Angebot an geeigneten Bauen groß und sind sie mehr oder weniger gleichmäßig
im Gebiet verteilt, werden sie von Füchsen häufiger benutzt. Dem entgegen
wirkt jedoch das Angebot und die Verteilung von oberirdischen Verstecken, die
bei vielen Gelegenheiten eher aufgesucht werden als der Bau. Des weiteren ist
das Nahrungsangebot und seine Verteilung im Lebensraum eines Fuchses zu berücksichtigen.
Denn dies bestimmt die Größe des Streifgebietes des Tieres mit. Fallen die
Nahrungsquellen nur gehäuft in bestimmten Gebieten an, ist natürlich ein Bau,
der weit davon entfernt liegt, als dauernder Aufenthaltsort schlecht geeignet.
Die täglichen Wege zwischen dem Bau als Ruheplatz und dem Nahrungsplatz sind zu
weit. Der Fuchs spart also Zeit, wenn er Ruheplätze in der Nähe des
Nahrungsplatzes, in guter Deckung über der Erde aufsucht und den Bau nur
gelegentlich benutzt, z.b. bei nasskaltem Wetter.Das
Risiko, am Bau getötet zu werden, hängt unter anderem wesentlich davon ab, wie
regelmäßig ein bestimmter Bau benutzt wird. Falls das Bauangebot dies zulässt,
können Füchse durch unregelmäßiges Benutzen vieler verschiedener Baue den
Jagddruck mindern.
Quelle
:Zeitschrift für Säugetierkunde 1985