Der Rotfuchs
Population Alters und - Geschlechtsbestimmung
Biologie und Ökologie des Rotfuchses.
Der Rotfuchs ist weltweit zu einem bevorzugten Forschungsobjekt der Wildbiologen geworden.
Dies liegt darin begründet, daß es sich bei dieser Wildart um ein häufiges,
standorttreues und sich relativ kleinräumig fortbewegendes Raubtier handelt,
das sich daher zur Erforschung seines Verhaltens in Raum und Zeit, sowie seines
sozialen Verhaltens in unterschiedlichen Ökosystemen, seiner Ernährung und
seiner Populationsdynamik anbietet. Andererseits gilt dieser Wildkanide
vielerorts als "Schädling" für Wild- und Haustiere. Als Gewinner in
der Kulturlandschaft kann sich der Fuchs weit
besser behaupten, als zahlreiche Niederwildarten, die teilweise zu seinem
Beutespektrum zählen und eher die Verlierer darstellen.
Trotz starker Verfolgung durch den Menschen hat der Fuchs in seinem Besatz stetig zugenommen und sich sogar bis in die
Nachbarschaft des Menschen ausgebreitet. Verschiedene Tatsachen sind hierfür
verantwortlich. Zum einen sind die natürlichen Feinde des Rotfuchses, wie Bär,
Luchs und Wolf, vom Menschen im letzten Jahrhundert in großen Teilen Europas
besonders aus Gründen der Nahrungskonkurrenz ausgerottet worden. Zum anderen
ist diese Art aufgrund eines relativ kleinen Körperbaus und einer einzelgängerischen
Lebensweise in ihrem Lebensraum für den Menschen weit weniger auffällig und
somit wesentlich schwieriger zu bejagen als andere , größere Wildkaniden.
Weiterhin ist der Rotfuchs ein Generalist, der dank hoher Anpassungsfähigkeit
auf die vielfältigste Art und Weise in den unterschiedlichsten Lebensräumen
existieren kann und von einem breiten Nahrungsspektrum profitiert. Aufgrund
seiner raschen Auffassungsgabe, hoher Lernfähigkeit, sowie seines guten
Erinnerungsvermögens, verknüpft mit einer hervorragenden Sinnesleistung ist er
imstande, auf sich schnell ändernde Situationen, insbesondere das
Nahrungsangebot und den Feinddruck (Jagddruck) entsprechend zu reagieren. Durch
seine Flexibilität vermag der Fuchs sich schnell auf Umweltveränderungen
einzustellen und vom Menschen künstlich geschaffene Strukturen und Lebensräume
zu seinem Vorteil zu nutzen.
Nicht zuletzt begründet vor allem die Ausbreitung der Fuchstollwut und der gehäufte
Nachweis von E. multilocularis im Endwirt Fuchs, die beide eine Gefahr für die
menschliche Gesundheit darstellen, die vermehrte Erforschung .
Der vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Rotfuchs lebt einzelgängerisch und
schließt sich nur selten, die Paarungszeit ausgenommen, mit Artgenossen
zusammen. Nur bei hoher Fuchsdichte kommt es gebiets- und zeitweise zu häufigen
Kontakten untereinander, so daß sich benachbarte Individuen durchaus kennen und
erkennen. Füchse bewohnen meist Erdbaue, die sie nicht selten von Dachsen übernehmen,
aber auch eine Zeitlang mit ihnen gemeinsam darin wohnen, wenn die
unterirdischen Gang- und Kesselsysteme groß genug sind. Stehen keine Dachsbaue
zur Verfügung, gräbt der Fuchs seine Burg selbst. Sie enthält neben der
Hauptröhre auch Fluchtröhren für ein rasches Ein- und Ausfahren.
Sonnenseitige Lagen werden bei der Bauanlage bevorzugt. Der Bau stellt das
Aktionszentrum eines Reviers dar, das sich je nach Art der Landschaft und in Abhängigkeit
von Nahrungsangebot und Fuchsdichte zwischen 5 und 50 Quadratkilometer ausdehnen
kann. Füchse laufen gut und ausdauernd, jagen aber meist allein. Die soziale
Organisation der Füchse unterscheidet sich daher in starkem Maße von jener der
größeren Hundeartigen wie den Wölfen und Schakalen.
Trotz des derzeitigen Tollwutseuchenzuges in Mitteleuropa und zahlreicher Maßnahmen
zu seiner Reduzierung hat der Rotfuchs sein Verbreitungsgebiet vergrößert und
ist in seiner Anzahl gestiegen . In Deutschland kommt die Art nahezu flächendeckend
vor. Die Diversität ihrer Lebensräume ist ein Zeichen hoher Anpassungs- und
Lernfähigkeit. Somit ist der Rotfuchs sowohl in Hochgebirgslagen, wenn auch in
geringsten Dichten, als auch in den Tiefebenen anzutreffen.
Generell meidet er flaches, offenes Land, sehr offene Feldfluren mit wenig Gebüsch
und Hecken sowie Gebiete mit hohem Grundwasserspiegel. Ebenso stellen große,
zusammenhängende Waldgebiete für den Fuchs einen suboptimalen Lebensraum dar.
Mit Ausnahme der Wintermonate, in denen der Fuchs im Wald Fallwild findet, sind
die Nahrungsressourcen hier eher knapp. Dennoch kommt dem Wald in Feldnähe große
Bedeutung als Tageseinstand zu. In der Regel ist der Jagddruck auf den Fuchs im
Wald gering. Es finden sich vor allem hier die zur Welpenaufzucht genutzten
sowie die zur Ranzzeit und in der Abwanderungsphase der Jungfüchse als
Kommnunikationszentren dienenden Baue. Allgemein stellt die anthropogen
geschaffene Kulturlandschaft für den Fuchs einen ökologisch vielfältigen,
reich strukturierten Lebensraum mit einem mannigfaltigen, über das ganze Jahr
vorhandenen Nahrungsangebot dar. Solche heterogenen Lebensräume mit
entsprechender Ressourcenvielfalt sorgen langfristig für größere und
stabilere Fuchspopulationen als homogene Habitate. Zunehmend häufiger besetzt
der Rotfuchs auch urbane Gebiete.
Da der Rotfuchs nach § 2 Abs. 1 Bundesjagdgesetz dem Jagdrecht unterliegt
,steht die Präferenz eines Habitats in unserer Kulturlandschaft allerdings auch
in einem engen Zusammenhang mit der Jagdintensität auf den Fuchs. Bei einem
hohen Jagddruck wird die Eignung des Lebensraumes vor allem durch die Qualität
und Quantität von Unterschlupf- bzw. Deckungsmöglichkeiten und weniger durch
das Nahrungsangebot bestimmt. Weiterhin ist auch die Nähe von Artgenossen für
die Wahl des Lebensraumes von Bedeutung.
Der Rotfuchs ist ein in der Regel territorial lebendes, standorttreues Wildtier.
Das Gebiet, das er besetzt und in dem er seinen alltäglichen Aktivitäten
nachgeht, wird als home range (Aktionsraum, Streifgebiet) bezeichnet.Ein
Streifgebiet muß dem Fuchs alle, zum Überleben notwendigen Ressourcen, wie
Deckung, zu allen Jahreszeiten verfügbare Nahrung, Geschlechtspartner und Baue
zur Welpenaufzucht bieten. Die Größe eines Streifgebietes schwankt daher zum
einen in Abhängigkeit von der Habitateignung sowie von der sozialen Stellung
des Fuchses. Zum anderen bestimmt die Populationsdichte die Größe des
home range.
Je größer die Fuchsdichte, desto
kleiner ist das Streifgebiet, sofern die notwendigen Lebensbedingungen gegeben
sind.
Füchse leben in ihrem Verbreitungsgebiet in sehr unterschiedlichen Dichten, die
durch das Vorhandensein und Zusammenwirken einer Vielzahl von Faktoren bestimmt
werden. Geringere Dichten sind in der Regel dort zu verzeichnen, wo Tollwut und
ein starker Jagddruck herrschen. Desweiteren bestimmen Nahrungsangebot und die
Eignung des Habitats bzw. der Habitattyp die Besatzstärke.
Da Füchse sich der direkten Zählung entziehen, ist eine genaue Ermittlung der
absoluten Populationsdichte nicht realisierbar. Die Erfassung der Wurfbaue in
einem Gebiet zur Zeit der Welpenaufzucht (Wurfbauindex) läßt dagegen am
ehesten eine Schätzung der absoluten Populationsdichte (Frühjahrsdichte) zu.
Dennoch ist diese Methode sehr aufwendig und nur auf kleinen Flächen durchführbar.
Nach BRAUNSCHWEIG läßt sich die Höhe des Fuchsbestandes annähernd aus den
Abschußzahlen und biologischen Daten wie Vermehrungsrate, ermittelte
Tollwutzahlen und Frühverlusten ermitteln. In der Regel erfolgt jedoch eine
grobe Schätzung der Fuchsdichte allein anhand der jährlich je Flächeneinheit
erlegten Füchse (Hunting Indicator of Population Density- HIPD), wobei die
Fuchsstrecke dem Frühjahrsbesatz des jeweiligen Jahres entspricht (GORETZKI).
Wird für diesen Zeitraum ein gleichbleibender Jagddruck vorausgesetzt, so können
mit Hilfe dieser indirekten Methode über Jahre hinweg Besatzzu- oder -abnahmen
erkannt werden (LABHARDT). Für Vergleiche zwischen verschiedenen Gebieten
eignet sich der HIPD nur bedingt, da regional und/oder temporär die Motivation
der Jäger zur Fuchsjagd erheblich variieren kann. ZIMEN stellte fest, daß die
Motivation zur Fuchsbekämpfung hauptsächlich vom Interesse am Niederwild
bestimmt wird und diese wiederum ungefähr umgekehrt proportional zum Waldanteil
der Reviere korreliert. Auch FUNK bestätigte daß Füchse generell in
niederwildreichen Mischgebieten stärker bejagt werden als in niederwildarmen
Waldgebieten.
Nur mit Vorsicht und unter Vorbehalt, daß die jährlich ermittelten
Fuchsstrecken nicht unbedingt die tatsächliche Bestandsdynamik widerspiegeln
und vor allem regional unterschiedliche Streckenergebnisse nicht immer auf
entsprechende Unterschiede in der Fuchsdichte hinweisen, stellt die Schätzung
der Fuchsbesätze anhand der Jagdstatistik dennoch die einfachste Methode dar.
Abwanderung der Jungfüchse :
LIDICKER definiert jedes dauerhafte Verlassen des home range und die
darauffolgende Suche des home range-losen Tieres nach einem neuen home range als
Abwanderung oder Dispersion. Es handelt sich dabei vor allem um 6 bis 10 Monate
alte Jungfüchse, die aus dem elterlichen Gebiet emigrieren, um sich in einem
neuen home range anzusiedeln und im Alter von 10 bis 12 Monaten fortzupflanzen.
Dabei variieren die Abwanderungsbewegungen, die Entfernungen und die Dauer des
Umherziehens vor dem Seßhaftwerden.
Allgemein können drei Phasen der Migration beobachtet werden (LABHARDT):
- Rasches Abwandern aus dem elterlichen Gebiet
- angsamere, ungerichtete Bewegung
- Endgültige Etablierung in einem neuen home range.
Eine Verschlechterung der Lebensgrundlagen, insbesondere des Nahrungsangebotes sowie andere Störfaktoren können ebenfalls die Abwanderung
adulter Füchse zur Folge haben. Dennoch ist die Migrationsrate in der
Altersklasse der subadulten Füchse besonders hoch (CARIUS). Auch FUNK
beobachtete an telemetrierten Füchsen , daß lediglich juvenile Füchse
abwanderten, adulte dagegen niemals. Verantwortlich hierfür sind zum einen das
sich ändernde soziale Verhalten in der Familiengruppe sowie steigende Unverträglichkeiten
zwischen den Geschwistern und vor allem den Vatertieren und ihren männlichen
Nachkommen im Herbst. Zum anderen liegen die Gründe im Habitat selbst bzw. dem
Angebot an lebenswichtigen Ressourcen. Der biologische Sinn der Dispersion der
Jungfüchse aus dem elterlichen Gebiet liegt dabei vor allem in der
Inzuchtvermeidung, der Besiedlung neuer Lebensräume und damit verbunden in der
Ausbreitung der Art sowie in der Dichteregulation (LABHARDT).
Die meisten Abwanderungen erfolgen im Zeitraum September bis November mit
deutlichem Schwerpunkt im Oktober (FUNK). Untersuchungen an telemetrisch überwachten
Füchsen im Saarland ergaben, daß Jungrüden häufiger abwandern und dabei
durchschnittlich größere Distanzen zurücklegen als Jungfähen
(LABHARDT,FUNK). Im Gegensatz zu den Fähen war die Abwanderhäufigkeit bei Rüden
dichteunabhängig. Die Luftliniendistanzen der Abwanderung erwiesen sich dabei
als nicht geschlechtsspezifisch und lagen zwischen 4 und 80 km (FUNK).
Fortpflanzung :
Füchse werden im Alter von 9 bis 10 Monaten geschlechtsreif (LABHARDT). Das
Fortpflanzungsgeschehen erstreckt sich in Mitteleuropa auf die Zeit von Ende
Dezember bis Mitte Februar, wobei die Ranz bei mildem Wetter früher, bei kaltem
später einsetzen kann. Nach einer Tragzeit von 51 bis 53 Tagen werden von der Fähe
in der Regel 4 bis 6 Welpen geworfen.
Die Wurfgröße wird beeinflußt durch das Nahrungsangebot, das Alter, die
Kondition und die Gesundheit der Fähe sowie durch die Fuchsdichte und die
Witterung. Da Füchse als Nesthocker blind zur Welt kommen und ihre
Thermoregulation in den ersten drei Lebenswochen nur mangelhaft ausgebildet ist,
benötigen sie möglichst unterirdische Baue, die sie vor Nässe, Kälte und
nicht zuletzt auch vor Feinden schützen. Mit der 11. bis 12. Lebenswoche
verlassen die Fuchswelpen den Bau.
Die mittlere Lebenserwartung eines Fuchses beträgt unter einheimischen
Bedingungen 10 bis 18 Monate. Die Sterberate liegt im 1. Lebensjahr bei 60 bis
80% und ab dem 2. Lebensjahr bei 50%. Als Todesursachen kommen dabei vor allem
die Jagd, Krankheiten, Straßenverkehr und natürliche Feinde in Betracht.
Der Anteil reproduzierender Fähen an der Gesamtzahl fortpflanzungsfähiger
weiblicher Füchse ist abhängig von der Fuchsdichte und liegt zwischen 25% und
97%. Die Füchse verfolgen unterschiedliche Reproduktionsstrategien. Zum einen
ist die sogenannte r-Strategie zu beobachten, für die eine schnelle
Entwicklung, eine hohe Nachkommenzahl bei relativ kurzer Lebenserwartung und
starke Populationsschwankungen charakteristisch ist. Dem gegenüber steht die
k-Strategie, wobei beispielsweise Füchse mit dieser Form der
Reproduktionsstrategie eher zu einer langsamen Entwicklung, geringen
Welpenanzahl, längeren Lebensdauer und langfristig gleichbleibenden
Populationsdichte tendieren. Instabile Umweltbedingungen (starkes
Tollwutvorkommen, hoher Jagddruck) begünstigen eher eine r- als eine
k-strategische Reproduktionsoptimierung.
Bezüglich ihres Fortpflanzungsverhaltens werden Füchse in der Literatur als
monogam beschrieben, auch wenn bisher keine echte Monogamie von freilebenden Füchsen
nachgewiesen wurde. Bei den in den Literaturangaben als monogam
beschriebenen Fuchsgruppen handelt es sich entweder um Tiere nach der
Abwanderung oder um Familiengruppen, in denen die fehlende Reproduktion
subdominanter Fähen vermutlich auf einer statusabhängigen reproduktiven
Unterdrückung durch die dominante, reproduzierende Fähe beruht (sozial
erzwungene Monogamie). FUNK berichtete weiterhin von einer von ihm sowohl im
Freiland als auch im Gehege beobachteten Polyandrie von Fähen und Polygynie von
Rüden als ein Adaptationsverhalten der Füchse an hohe Mortalitätsraten.
Nahrungsspektrum :
Von der Vegetation hängen die Art und die Verfügbarkeit von Nahrung ab.
Bodentyp, Landschaftstopographie und Höhe des Grundwasserspiegels haben
Auswirkungen auf potentielle Fuchsbauorte. Nicht zuletzt bestimmt die
anthropogene Bodenflächennutzung Qualität und Quantität biotischer Faktoren,
wie Nahrungsangebot, verfügbare Beutetierarten, Störungen durch den Menschen,
Jagddruck und natürliche Feinde.Dem Fuchs ist eine vielseitige Ernährungsweise eigen, die ihm ein
opportunistisches Verhalten ermöglicht. Demnach ist er in der Lage sich rasch
auf andere Nahrung umzustellen, falls sich eine bisher genutzte Nahrungsart
qualitativ oder quantitativ verändert. Das große Nahrungsspektrum erlaubt es
diesem Kaniden, ein weites Verbreitungsareal von unterschiedlicher ökologischer
Prägung zu besiedeln. Ein mannigfaltiges Nahrungsangebot erfordert schließlich
eine kleinräumige Nutzung, solange genügend Geschlechtspartner, Unterschlupfmöglichkeiten
und Orte zur Welpenaufzucht verfügbar sind. Besonders die anthropogen
geschaffene Kulturlandschaft mit ihrer ökologischen Vielfalt an Feldgehölzen,
Hoch- und Kurzgraswiesen, Obstbäumen und Ackerland bietet dem Fuchs
ausreichende Nahrungsressourcen (LABHARDT). Somit ist er durchaus in der Lage
unabhängig von der Dichte und Dynamik potentieller Beutetiere zu existieren, da
in der dicht besiedelten Kulturlandschaft "Ersatznahrung" im Überfluß
vorhanden ist (GORETZKI).
Aus ökonomischen Gründen bevorzugt der Fuchs diejenige Nahrung, die mit dem
geringsten Energieaufwand zu erreichen ist. In erster Linie sind dies in
mitteleuropäischen Flachlandgebieten Feldmäuse, die in guten Jahren
in sehr großer Zahl vorhanden und für den Fuchs relativ einfach zu fangen
sind. Dennoch treten gerade bei Mäusen aber auch bei Kaninchen, die ebenfalls häufige
Beutetiere des Fuchses darstellen, immer wieder Poppulationsschwankungen auf, die allerdings dank der opportunistischen Ernährungsweise
ausgeglichen werden können.
Füchse sind vielseitig und versorgen sich mit verschiedenartigster Nahrung. Die
Grundlage bilden zumeist Mäuse, die sie mit elegantem Sprung erbeuten und
blitzschnell schnappen, bevor sie zwischen den Pfoten entkommen können. Da die
Pfoten nicht mit Krallen bewehrt sind, welche die Beute sicher greifen, leisten
sie beim Mäusefang nur Hilfestellung. Die lange, spitz auslaufende Schnauze
kann dafür sehr schnell und sicher zupacken. Kleine Beutetiere werden rasch und
mit nur wenigen Kaubewegungen Verschlungen ("hinabgewürgt"), denn die
Zähne taugen besser zum Zupacken, Schneiden und Reißen als zum Kauen. Neben Mäusen
jagt der Fuchs nahezu alle anderen Tiere geeigneter Körpergröße, die in
seinem Lebensraum vorkommen: Rehkitze, Hasen, Hühnervögel - darunter auch
Haushühner, was ihm vielerorts einen recht schlechten Ruf als Hühnerdieb
eingebracht hat. Nicht nur freilaufende Hühner fallen ihm zum Opfer, auch
solche, die in Gehegen oder Ställen untergebracht sind, weil sich die Füchse
geschickt unter dem Draht durcharbeiten, wenn keine Bodensicherung angebracht
ist.
Gern schnürt der Fuchs an Gewässern entlang und sucht Nester von Enten, Bläß-
und Teichhühnern, frißt mitunter einen Frosch oder nimmt einen Fischkadaver
auf. Regelmäßig suchen Füchse die Autostraßen nach überfahrenen Tieren ab;
die meistens der nächtlichen Opfer sind dann schon abgeräumt, bevor der Tag
anbricht. Sogar mit Regenwürmern, Engerlingen und anderen Insektenlarven, mit
Heuschrecken und Maikäfern nimmt der genügsame Fuchs vorlieb. Zeitweise
erlangt Pflanzenkost erhebliche Bedeutung, etwa zur Heidelbeerenzeit. Füchse untersuchen nicht
selten auch des Nachts die Abfallkörbe der Stadtparks und stehlen sogar
Schlachtabfälle.
Alters- und Geschlechtsbestimmung :
Da Füchse einmal im Jahr in dem Zeitraum von März bis April werfen, läßt
sich das Alter der Jungfüchse in den ersten Lebensmonaten leicht bestimmen. Als
fiktives Geburtsdatum wird allgemein der 01. April angenommen .Zur exakten Altersbestimmung, die nur am toten Tier erfolgen kann, sind
verschiedene Methoden gebräuchlich.Das Milchgebiß bei Jungfüchsen ist ca. in der dritten bis vierten Lebenswoche
vollständig. Im Alter von fünf bis sechs Monaten ist der Zahnwechsel
abgeschlossen und das Dauergebiß mit 42 Zähnen vollständig. Im ersten
Lebensjahr weisen die Incisivi (insbesondere I1) eine deutliche Dreilappung und
eine weiße Kaufläche auf. Mit fortschreitendem Alter nutzen sich die Haupt-
und Seitenlappen der Incisivi ab und sind im zweiten Lebensjahr kaum noch zu
erkennen. Das Dentin auf der Kaufläche ist nun als brauner Fleck sichtbar.Nach dieser Methode wurden die untersuchten Füchse den Altersklassen
"juvenil" und "adult" zugeordnet. Zur Altersklasse
"juvenil" zählten alle unter 12 Monate alten Füchse und zur
Altersklasse "adult" diejenigen, die älter als 12 Monate waren.
Dieser Methode wird eine Zuverlässigkeit von rund 90% zugesprochen.
Die Bestimmung des Geschlechts erfolgt anhand der äußeren
Genitalorgane.